Kaiser Franz Joseph / Bild: (c) ORF (Porträtsammlung der österreichischen Nationalbibliothek)

Fast ein Adelsprädikat

Der 1878 an Rudolf Scheer verliehene Hoflieferanten Titel krönte die Bestrebungen der ersten 3 Generationen und sollte fortan den Standard im Hause Scheer festlegen. Die Verleihung des Titels verpflichtete zu höchster Qualität und nur die führenden Unternehmen ihrer Branche erhielten dieses Gütesiegel „allerhöchster“ Klasse.

Hoflieferanten mussten bereits zuvor ein geschäftliches Verhältnis zum Hofe haben und wurden erst nach einer Frist von einigen Jahren in Erwägung gezogen für ein solches Privileg. Obgleich vom Oberhofmeister vorgeschlagen, war der Titel k.u.k. Hoflieferant keine staatliche, sondern eine persönliche Auszeichnung des Kaisers bzw. Königs. Der Titel konnte jederzeit vom Hofe widerrufen werden. Nebst der Ehre und der Wirkung des Titels gestattete er es dem Inhaber den Hof zu beliefern und das Staatswappen zu tragen.  

Als Inhaber dieses Titels stand man nicht nur mit seiner Kunstfertigkeit und dem Streben nach Exzellenz unter Beobachtung. Da der Titel an Personen gebunden war und nicht vererbt werden konnte, stand man stets auch, mit seiner Person und seiner Position in der Gesellschaft, unter Beobachtung des Hofes.  

So mussten nach dem Ausscheiden Rudolf Scheers auch seine Söhne Carl und Edmund sich dieser heiklen Prüfung stellen. Sie schafften es beide bereits 1906 die in dunkelrotem Saffianleder präsentierte Urkunde des Oberhofmeisteramtes überreicht zu bekommen.  

Näher standen dem Kaiser nur noch die Kammerlieferanten, die wie der Name vermuten lässt, persönlichen Zutritt zur Kammer des Kaisers hatten. Auch dieses Privileg wurde Carl und Edmund zuteil als Kammerlieferanten der Erzherzöge Karl Franz Josef und Franz Salvator.  

Obgleich die Monarchie mittlerweile Geschichte ist, zählen die wenigen verbliebenen Unternehmen, die sich einst mit dem kaiserlichen Doppeladler schmücken durften, nach wie vor zu den Besten ihrer Branche  – vom Hofzuckerbäcker Demel oder dem Hotel Sacher über die Glasmanufaktur Lobmeyr bis zum Klavierfabrikanten Bösendorfer.

Korrespondenz zwischen Rudolf Scheer und dem Obersthofmeisteramt 1886

Anfrage

  

Anfrage senden